Wardenburger Firma macht das Vergaberennen

Ex-Robinson-Club-Koch versorgt Weyher Schulen

Kreiszeitung vom 25.08.16

Die Schulleiter (v.l.) Martin Baschta (KGS Kirchweyhe), Edeltraut Zocher (GS Lahausen), Martin Stamnitz (GS Leeste), Rainer Patzelt (KGS Leeste), Susanne Paetsch (GS Erichshof) und Ingrid Lühmann (GS Sudweyhe) sowie Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Caterer Peter Penaat besiegeln den Verpflegungsvertrag. - Foto: jeh

Weyhe - Von Philipp Köster und Sigi Schritt. Die Firma Vita Catering aus Wardenburg (Landkreis Oldenburg) beliefert künftig die Weyher Schulen mit Mittagessen. Vita-Geschäftsführer Peter Peenat konnte sich gegen zwei Mitbewerber durchsetzen.

Der Startschuss fällt nach den Herbstferien, also am Montag, 17. Oktober, sagte Ganztagsgrundschulkoordinator Michael Fütterer Donnerstag im Rahmen der Gemeindepressekonferenz. Mittags unterzeichneten Bürgermeister Andreas Bovenschulte, Peenat und die Schulleiter einen entsprechenden Vertrag.

Die Firma Vita Catering erfüllt das Anforderungsprofil. Wichtigstes Kriterium ist, dass die Speisen vor Ort gekocht werden, um mehr Qualität zu bekommen. Das geschieht zentral in der Grundschule Leeste. Von der Zentralküche gelangt das Essen in die „Satellitenschulen“. Nur die Grundschule Kirchweyhe bekommt das Essen weiterhin extern angeliefert.

Das gemeindeeigene Personal muss die Speisen vor Ort nach Peenats genauer Vorgabe nur noch „finishen“, wie es im Fachjargon heißt. Der Inhaber wird in den ersten Wochen persönlich zugegen sein, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Der Geschäftsführer hat früher für Robinson-Clubs und für die Feinkostkette Käfer gekocht. Eine weitere Änderung ist, dass die Mahlzeiten in Büfettform präsentiert werden. „Damit wollen wir auch die älteren Schüler der Gesamtschulen ansprechen“, sagt Susanna Clottey vom Fachbereich Bildung und Freizeit. Die Kinder und Jugendlichen haben dann die Wahl, was sie verzehren möchten, was sehr wichtig sei, sagte Fütterer. „Sie sollen selbstbestimmt essen.“ Es gibt täglich Salat und zwei Hauptgerichte. Das Spektrum sei breit, sicher werde es auch mal Pizza geben. 

Die Zusammenstellung sei den Schülern überlassen, auch wenn die Auswahl „pädagogisch begleitet“ werde und „es nicht so sinnvoll ist, wenn sich einer den Rotkohl in die Erbsensuppe tunkt oder fünf Schnitzel auffüllt“, betonte Fütterer.

Das Essen kostet nach wie vor 3,45 Euro, was angesichts der angestrebten Qualitätssterigerung für Eltern interessant sei. „Am liebsten würden wir dort auch essen“, sagte Clottey mit einem Augenzwinkern.

Die beiden Verwaltungskräfte stellten das Konzept und das Ergebnis der Ausschreibung am Mittwochabend auch im Schulausschuss vor. Fütterer schwärmte von dem neuen Caterer und bezeichnete ihn als „Koch aus Leidenschaft“. Fütterer machte ein Beispiel: Für Eierpfannkuchen verwende er nur frische Eier, die er vor Ort verarbeite. 

Der Koordinator für die Ganztagsschulen kündigte an, dass im Rahmen des neuen Konzepts auch spontane Einladungen möglich seien. Die Zeiten, in denen man das Essen einen Tag im voraus ordern müsse, seien vorbei. Schüler könnten die Speisen entweder in bar oder mit einer speziellen Karte bezahlen. „Ein langgehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen“, kommentierte Katrin Kurtz (SPD). Hannelore Roitsch-Schröder (Grüne) stimmte genauso in die Lobeshymne ein wie Elternvertreterin Heike Begander. Die SPD hätte sich gewünscht, dass das neue Konzept bereits ein Jahr früher umgesetzt worden wäre, sagte Frank Seidel (SPD) anerkennend. Die Begeisterung, ein gutes Ergebnis zustandegebracht zu haben, habe man Michael Fütterer angemerkt, so Günther Borchers (FDP). Er lobte ebenfalls das neue Motto „Mittagspause... weil Essen mehr ist, als satt zu werden.“

 

Revolution der Mensa-Landschaft

Weser-Kurier/Sebastian Kelm 26.08.2016

Weyhe. „Mittagspause… weil Essen mehr ist, als satt zu werden.“ Diesen „Slogan“ hatte sich der Fachbereich Bildung und Freizeit im Rathaus zuletzt auf die Fahnen geschrieben. Das Mensa-Angebot in den Weyher Schulen sollte wieder attraktiver, wieder beliebter gemacht werden. Denn bislang traf es – das musste man bei der Gemeindeverwaltung erkennen – selten den Geschmack der Kinder und Jugendlichen. Oft blieben die Tische und Stühle leer.

Peter Penaat und Andreas Bovenschulte unterzeichnen den Vetrag (Björn Hake)

Das soll sich nun ändern – mit der grundlegenden Umstellung des Verpflegungskonzepts. Wie bereits berichtet, lautet das Ziel, in einer Zentralküche am Schulstandort Leeste frisch zu kochen und von dort aus „Satellitenküchen“ zu beliefern. An den übrigen Schulen – nur die Grundschule Kirchweyhe ist nach derzeitigem Stand nicht dabei – sollen die Speisen nur noch zu Ende zubereitet werden. Eine ambitionierte Idee, die laut Ganztagsschulkoordinator Michael Fütterer in Deutschland so noch nie umgesetzt wurde. „Wir machen da etwas Neues, etwas Individuelles“, frohlockte er am Mittwochabend vor den Mitgliedern des Ausschusses für Schule, Kindertagesstätten und Jugend.

Die Suche nach einem Anbieter habe sich jedoch als entsprechend schwierig erwiesen: Von mehr als 20 interessierten Firmen warfen letztlich nur drei ihren Hut in den Ring. Und nun ist entschieden: Vita Catering aus Wardenburg hat den Zuschlag erhalten. Mit dem Fütterer zufolge „klaren Sieger“, ausgewählt von einer Bewertungskommission bestehend aus Schülern, Lehrkräften, Eltern und Vertretern der Verwaltung, wurde ein Dienstleistungsvertrag für die kommenden vier Jahre geschlossen. Am Montag, 17. Oktober, direkt nach den Herbstferien also, wird das Team um Peter Penaat die Arbeit aufnehmen, die sich in Weyhe bislang drei Caterer geteilt hatten. „Die machten bis zu 40 000 Essen am Tag. Sie waren bemüht, konnten aber nicht so richtig“, so Fütterer.

Salat mit neun Komponenten

Susanna Clottey Fachbereich Bildung und Freizeit bezeichnete Peter Penaat als „Koch aus Leidenschaft“. Er sei nicht nur europaweit für Robinson-Clubs sowie für Feinkost Käfer tätig gewesen, er habe mit seinem mittelständischen Familienunternehmen auch langjährige Erfahrung in der Schulverpflegung, etwa an der Helene-Lange-Schule in Oldenburg. Und am wichtigsten: Penaat sah sich in der Lage, das zu erfüllen, was die Gemeinde sich wünschte. Das sind zwei Gerichte täglich, aus deren Bestandteilen in Büfettform frei ausgewählt werden darf, Dessert und Salat mit neun Komponenten. Essen aus Schläuchen oder Tetra-Paks soll jetzt der Vergangenheit angehören. Alles sollte zumindest an den beiden Kooperativen Gesamtschulen ohne Vorbestellung zu bekommen und bar oder mit EC-Karte bezahlbar sein. 

Gleiche Gebühr für Grundschüler

Apropos Bezahlung: Die monatliche Gebühr für das Mittagessen der Grundschulkinder wird trotz Qualitätssteigerung unverändert bleiben. An den weiterführenden Schulen kann sich zum Preis von 3,45 Euro einmal am Büfett bedient werden. „In Kirchweyhe ist das somit etwas mehr, in Leeste weniger als bisher“, sagte Fütterer. Die befürchtete enorme Kostensteigerung für die Eltern blieb also aus.

Fehlt nur noch die Ausstattung. Umbauten und der Einbau von Großküchengeräten sollen möglichst schnell erfolgen, kündigte der Ganztagsschulkoordinator an.